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Zahlungsverzug setzt Österreichs Unternehmen zunehmend unter Druck

27 May 2026

Wien, 27. Mai 2026 – Österreichs Unternehmen stehen weiter unter erheblichem finanziellem Druck. Schwache Nachfrage, steigende Kosten und wachsende Unsicherheiten im internationalen Handel belasten die Liquidität vieler Betriebe. Das aktuelle Atradius Zahlungsbarometer zeigt: 84 Prozent der Unternehmen berichten von verspäteten Zahlungen ihrer Geschäftskunden – und liegen damit über dem westeuropäischen Durchschnitt. Gleichzeitig steigen Finanzierungskosten und das Risiko von Forderungsausfällen.

„Viele Unternehmen bewegen sich derzeit in einem Spannungsfeld aus hoher Kostenbelastung, zurückhaltender Nachfrage und zunehmenden Risiken im Zahlungsverhalten“

KommR. Franz Maier

48 Prozent aller B2B-Verkäufe in Österreich werden inzwischen auf Kreditbasis abgewickelt. Vor allem Industrieunternehmen nutzen Warenkredite stärker, um steigende Finanzierungskosten und Liquiditätsengpässe abzufedern. Gleichzeitig setzen österreichische Unternehmen im europäischen Vergleich auf eher kurze Zahlungsziele: Die meisten Rechnungen werden innerhalb von 30 Tagen fällig, längere Fristen bleiben die Ausnahme und finden sich vor allem im Baugewerbe.

„Die Unternehmen versuchen, ihre Liquidität eng zu steuern und offene Forderungen schneller in Cashflow umzuwandeln“

KommR. Franz Maier

Trotz dieser vorsichtigen Kreditpolitik verschlechtert sich das Zahlungsverhalten vieler Geschäftskunden weiter. Bei jedem zweiten Unternehmen sind inzwischen bis zu 30 Prozent aller Rechnungen überfällig. Weitere 24 Prozent berichten sogar von verspäteten Zahlungen bei bis zu 60 Prozent ihrer Forderungen. Hauptursache sind mit 54 Prozent Liquiditätsprobleme auf Kundenseite. Hinzu kommen interne Verzögerungen bei Zahlungsfreigaben, komplexere Zahlungsprozesse und längere Banklaufzeiten.

Die Folgen für das Working Capital werden zunehmend sichtbar. 46 Prozent der Unternehmen berichten von sinkenden Liquiditätsspielräumen, 23 Prozent von wachsendem externem Finanzierungsbedarf. Gleichzeitig verlängert sich die durchschnittliche Forderungslaufzeit (Days Sales Outstanding, DSO), sodass Kapital länger gebunden bleibt. Zusätzlichen Druck erzeugen Forderungsausfälle: Zehn Prozent der Unternehmen verzeichnen inzwischen uneinbringliche Forderungen von mehr als fünf Prozent ihres fakturierten B2B-Umsatzes. 

„Verspätete Zahlungen und Forderungsausfälle treffen viele Betriebe in einer Phase, in der ihre finanziellen Puffer ohnehin kleiner werden“

KommR. Franz Maier

Ausblick: Insolvenzrisiken bleiben hoch


Auch der Ausblick bleibt verhalten. Für die kommenden zwölf Monate rechnen 50 Prozent der Unternehmen mit anhaltend hohen Insolvenzraten, 31 Prozent erwarten sogar einen weiteren Anstieg. Als größte Risiken für das Zahlungsverhalten im B2B-Geschäft nennen die Befragten die schwache Konjunktur, steigende Betriebskosten und anhaltende Lieferkettenstörungen. In der Industrie kommen hohe Energie- und Rohstoffkosten sowie eine schwache Exportnachfrage hinzu.

Österreichische Unternehmen reagieren darauf mit einer stärkeren Absicherung ihrer Zahlungsrisiken. Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Märkten setzen sie häufiger auf Kreditversicherungen, Rückstellungen für Forderungsausfälle und strengere finanzielle Schutzmechanismen. Gleichzeitig gewinnt professionelles Liquiditäts- und Risikomanagement weiter an Bedeutung.

„Viele Unternehmen gehen inzwischen davon aus, dass die wirtschaftliche Unsicherheit kein kurzfristiges Phänomen mehr ist“

KommR. Franz Maier

Umso wichtiger sei es, Zahlungsrisiken konsequent zu steuern und die finanzielle Stabilität langfristig zu sichern.

Das Atradius Zahlungsmoralbarometer ist eine jährliche Umfrage zum Zahlungsverhalten im weltweiten B2B-Geschäft. Die aktuelle Ausgabe basiert auf einer Befragung von 210 Unternehmen in Österreich, die im ersten und zweiten Quartal 2026 durchgeführt wurde.
 

Summary

  

  • 84  Prozent der Unternehmen melden verspätete Zahlungen im B2B-Geschäft
  • Fast die Hälfte aller B2B-Verkäufe erfolgt auf Kreditbasis
  • Kostenanstieg, schwache Nachfrage und höhere Insolvenzraten verschärfen den Liquiditätsdruck
Mehr zum Thema
Zahlungsmoralbarometer Österreich 2026
4 MB PDF

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